Der perfekte Verwalter

 
Die Versammlung des perfekten Verwalters dauert genau 30 Minuten. Er erläutert in dieser Zeit allen Anwesenden die Tagesordnung ausführlich und für jeden verständlich. Er lässt dabei jeden Miteigentümer zu Wort kommen und erzielt völlige Einigkeit unter den Anwesenden.

Er überreicht schon am Morgen nach der Versammlung jedem Eigentümer selbst höchst persönlich das Protokoll und erläutert noch einmal ausführlich den Sinn der Beschlüsse.

Er arbeitet von 8.00 Uhr morgens bis nach Mitternacht und ersetzt teilweise den Hausmeister in der Wohnanlage.

Der perfekte Verwalter bekommt eine Gebühr von 7,50 Euro inklusive Mehrwertsteuer im Monat. Sein Büro ist ganz in der Nähe der zu verwaltenden Wohnanlage.

Er kann immer auf alle Fragen sofort antworten.

Er ist 25 Jahre alt und hat mindestens 40 Jahre Erfahrung in der Verwaltung von Wohnungseigentum. Davor war er in der Mietverwaltung tätig und kennt sich deshalb auch dort genau aus.

Seine Ausbildung begann mit sechs Semestern Theologie.

Der perfekte Verwalter macht es allen recht. Er verbringt die meiste Zeit bei der Überwachung der Hausordnung und der Handwerker in der Wohnanlage.

Er lächelt die ganze Zeit mit ernstem Gesicht, denn er hat Sinn für Humor, der ihn fest an das Wohnungseigentumsgesetz bindet.

Er macht täglich 15 Hausbesuche und ist immer im Büro erreichbar, wenn man ihn sucht.

Der perfekte Verwalter hat immer Zeit für die einzelnen Eigentümer, die Mieter und den Verwaltungsbeirat. Er steht jedem Wunsch aufgeschlossen gegenüber und reicht sogar Rechnungsbelege im Original an den einzelnen Eigentümer, wenn dieser für seine Steuererklärung eine Bescheinigung gemäß § 82a DenkmalSchG benötigt (Lex Lolli). Auch die 200 E-Mails desselben Eigentümer pro Jahr lässt er milde lächelnd über sich ergehen und kümmert sich sofort um alle Einsprüche. Er lässt sich gern von gegnerischen Anwälten als Büttel bezeichnen, der in Blockwartmanier nur die Interessen anderer Eigentümer wahrnimmt (Lex Schaeferi Primi).

Er versäumt kein Fortbildungsseminar, weist diese auch willig jedem einzelnen Eigentümer gegenüber persönlich nach, und keinen Gerichtstermin, denn er ist immer bemüht, allen die Gemeinschaftsordnung, das Gesetz und die Hausordnung nahe zu bringen. Darüber hinaus zahlt er auch gern die Gebühren des Rechtstreites aus seiner Entlohnung (kost' doch nix).

Der perfekte Hausverwalter hat nur einen Nachteil:

 

Er ist immer in der Nachbar-Gemeinschaft tätig!

   
Quelle: Skript Die tägliche Praxis der professionellen Hausverwaltung (I) von Norbert Moormann (mit leichten Veränderungen aus unserer Praxis)